Krav Maga – Eine Selbstverteidigungskunst

Krav Maga (hebräisch: Kontaktkampf) ist ein Selbstverteidigungssystem aus Israel, das ab der Jahrtausendwende weltweit zunehmende Popularität genossen hat. Vor allem wird an Krav Maga die simple, aber effektive Vermittlung wichtiger Selbstverteidigungstechniken für alle möglichen Situationen geschätzt, ohne dass dabei komplizierte Bewegungsabläufe einstudiert werden müssten.

Herkunft

Krav Maga ist dem dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte entsprungen. Während der Zeit des Dritten Reiches mussten Juden in ganz Europa zunehmende antisemitische Übergriffe befürchten. Ein slowakischer Boxer und Ringer namens Emrich Lichtenfeld wollte sich nicht mit Flucht und Unterwerfung abgeben und organisierte deswegen einen Widerstand, um sein Wohnviertel vor rassistischen Übergriffen zu schützen. In dieser gefährlichen und brutalen Zeit voller Straßenkämpfe entwickelte Lichtenfeld ein Nahkampfsystem, das die anfänglichen bloßen Boxschläge und Ringergriffe den Regeln der Straße anpasste. Oberste Gebote waren für ihn dabei der Fokus auf natürliche Bewegungen im Kampf sowie die Regel, niemals beide Arme gleichzeitig für dieselbe Technik einzusetzen. Stattdessen sollte möglichst simultan mit einem Arm abgewehrt und mit dem anderen gekontert werden. In den Vierzigern musste Lichtenfeld vor den Nationalsozialisten nach Palästina fliehen. Später, im neu gegründeten Israel, entwickelte er sein System stetig weiter, immer den Grundsatz maximaler Effektivität verfolgend.

Training

Während im späten zwanzigsten Jahrhundert vor allem fernöstliche Kampfkünste wie Karate oder Kung Fu das westliche Bild effektiver Selbstverteidigung geprägt haben, wurde die Deutungshoheit darüber, wie man am besten für den Ernstfall trainiert, innerhalb der letzten zwanzig Jahre immer mehr von moderneren Konzepten übernommen. Systeme wie Krav Maga haben gegenüber den japanischen Budo-Kampfkünsten zwei Vorteile in Bezug auf Selbstverteidigung: Erstens ist Krav Maga nicht versportlicht worden, es gibt keine Turniere, in denen nur bestimmte Techniken eingesetzt werden dürften und man nur nach den Regeln des Fairplay kämpfen würde. Zweitens ist das Training wesentlich undogmatischer als beispielsweise im Karate, man muss nicht erst jahrelang Gürtelfarben von weiß bis schwarz durchlaufen, ehe man wirklich effektiv trainieren darf. Denn egal wie untrainiert man auch sein mag, schon das Anfängertraining im Krav Maga simuliert mit größtmöglicher Authentizität ernsthafte Gefahren, zeigt aber auch die richtigen Techniken auf, um diese zu meistern. Man kann sagen, dass das Lerntempo im Krav Maga eher der beschleunigten modernen Lebensweise entspricht.

Quelle: https://www.kravmaga.de/

Langeweile kommt bei Krav Maga niemals auf. Es wird für jede Situation, jede Körperhaltung und jede Art von Übergriff trainiert. Man übt zu kämpfen im Stehen, Sitzen, Liegen, im freien Feld oder an der Wand. Auf dem Plan stehen Abwehrtechniken gegen Umklammerungen, Würgegriffe, von vorne sowie von hinten, gegen Faustschläge und Tritte, gegen Stöcke und Messer. Die Abwehrtechniken sind stets einfach genug, um durch fortwährendes Training im motorischen Gedächtnis verankert zu werden. Ein Beispiel ist hier die 360-Grad-Abwehr, die ab der ersten Stunde vermittelt werden kann. Bei dieser Abwehr werden beide Hände schützend vor dem Gesichtsfeld gehalten, und jede Hand deckt ihre Hälfte des Feldes. Man lernt neben der Abwehr auch das Austeilen, Faust- und Handtechniken, Tritte, Hebel und Würfe, um jeden Gegner blitzschnell kampfunfähig zu machen, für deren Ausführung man aber kein Akrobat sein muss. Und ebenso, welche alltäglichen Gegenstände sich plötzlich als tödliche Waffen gebrauchen lassen.

Selbstverteidigung für alle

Emrich Lichtenfeld unterrichtete zunächst vorwiegend Soldaten der israelischen IDF in seinem Kampfsystem. Umfassende Kenntnisse im Kontaktkampf waren und sind bis heute für die israelischen Sicherheitskräfte eine absolute Notwendigkeit, die die Überlebenschancen im Dienst innerhalb einer konfliktbeladenen Region erhöhen. Doch auch außerhalb von Israel, nämlich auf der ganzen Welt, werden Krav Maga-Ausbilder bestellt, um Soldaten und Polizisten ein authentisches Nahkampfsystem zu vermitteln. Ein unbestreitbares Argument für die Effektivität einer Kampfkunst ist es, wenn eben jene Kunst denjenigen vermittelt wird, die beruflich regelmäßig mit Gewalt zu tun haben. Deswegen hat sich Krav Maga bewährt.

Die militärische Sicherheitsausbildung ist die eine Seite von Krav Maga. Die zivile aber die andere, schneller gewachsene. Denn inzwischen gibt es Studios mit Krav Maga-Kursen in jeder größeren Stadt. Das Angebot ist umfassend und vielfältig, es gibt Kurse für Anfänger, Fortgeschrittene, exklusive Stunden für Frauen, Kinder und Jugendliche. Die Leute schätzen die schnell vermittelbaren Konzepte sowie die flachen Hierarchien innerhalb der Trainingsgruppe. Gleichzeitig ist das zivile Training im Krav Maga durchaus schweißtreibend, da man lernen soll, sich in jeder noch so unvorteilhaften Situation, und sei es bei annähernder Atemlosigkeit, zur Wehr zu setzen. Deswegen kommt auch der Fitness-Aspekt bei Krav Maga nicht zu kurz. Jede Person darf gerne unabhängig von der körperlichen Verfassung anfangen zu trainieren. Denn gerader manch untrainierte Mensch mag beim Krav Maga eine Verwandlung durchlaufen, die das eigene Leben durchweg positiv verändern wird.